Als Dreizehnjähriger nimmt Jesús Ismael Irsula 1966 an einem internationalen Sommerlager in der DDR teil. Später studiert er in der DDR und übersetzt für die Vertretung der kubanischen Marke Havana Club. 1989 beginnt er an der Karl-Marx-Universität Leipzig seine Promotion in Germanistik. In der DDR bleiben will er nicht.

Als Schüler:innen in die DDR

Jesús Ismael Irsula wird zusammen mit drei Mädchen und zwei anderen Jungs der Unión de Pioneros de Cuba im Sommer 1966 ausgewählt, um in der DDR  an einem Sommerlager teilzunehmen. Von Havanna geht es mit dem Schiff nach Rostock. Vierzehn Tage dauert die Reise, dann geht es weiter in die Pionierrepublik Wilhelm Pieck. Dort verbringen Kinder aus verschiedenen sozialistischen Ländern den Sommer in einer Art Kaderschule. Zurück in Havanna beginnt er intensiv Deutsch zu lernen. Im Sommer 1973, nachdem er die Oberschule beendet hat, reist Jesús ein zweites Mal in die DDR. In Rostock nimmt er an einem Sommerkurs teil, in Berlin bekommt er an der Humboldt-Universität eine weitere Fortbildung für Deutschunterricht. Bevor er nach Kuba zurückkehrt, nimmt er an den Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Berlin teil.

Ich war sehr beeindruckt. Wir sahen Länder, die so anders waren.

Jesus Ismael Irsula Peña, Havanna 2022

Studium in Leipzig

1975 reist Jesús Ismael Irsula ein drittes Mal in die DDR. Bis 1979 studiert er Germanistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Er bekommt ein Stipendium und ein Zimmer im Wohnheim. Dort wohnen viele der Mitstudierenden aus der DDR und aus verschiedenen anderen Ländern. Jesús freundet sich mit Frauen aus Osteuropa an und trifft auf viele andere Lateinamerikaner:innen. An der Uni lernt er auch die Frau kennen, die später ein Kind von ihm bekommen wird.

Politik und Party

Jesús engagiert sich auch politisch. 1978 organisiert Jesús mit seinen kubanischen Freund:innen eine Comparsa, eine Karnevalsaufführung, um Geld für die Weltfestspiele der Jugend in Havanna zu sammeln. Auch spricht er als kubanischer Vertreter auf einem Kongress afrikanischer Studierender in der DDR. Dort zitiert er Fidel Castro, der die Kubaner:innen als zugleich Lateinamerikaner:innen und Lateinafrikaner:innen bezeichnete. Er erinnert sich an die Sympathie, die ihm entgegengebracht wurde. Der Zentralrat der FDJ verleiht ihm eine Ehrenmedaille für sein Engagement.

 

 

Bei der Leipziger Messe

Schon während des Germanistikstudiums arbeitet Jesús Ismael Irsula als Übersetzer bei der Leipziger Messe und dolmetscht unter anderem für die Vertretung von Havana Club. Jesús mag die Arbeit: Er trifft dabei auch hochrangige kubanische Wirtschaftsvertreter und wird außerdem gut bezahlt.

Für uns war das super!

Jesus Ismael Irsula Peña, Havanna 2022

Rückkehr nach Kuba

Im Sommer 1979 beendet er sein Studium und kehrt als Deutschlehrer nach Kuba zurück. Er hat ein gutes Verhältnis zu der Studentin aus der DDR, die von ihm ein Kind bekommt, doch keine feste Beziehung zu ihr. Sie und seine Freund:innen verabschieden ihn herzlich. Noch ist nicht klar, dass er bald in die DDR zurückkehren wird.

Promotion in Leipzig

1982 bekommt Jesús die Möglichkeit, sein Studium und seine Ausbildung in Germanistik mit einem Promotionsstudium fortzusetzen. 1990 verteidigt er schließlich seine Doktorarbeit.

Jesus Ismael Irsula Peña lebt in Havanna und arbeitet als .

Credits:
Das Interview führte Elaine del Valle Cala 2021 in Havanna.
Text: Isabel Enzenbach
Recherche und Rechercheprotokoll der Fotos: Elaine del Valle Cala, Isabel Enzenbach